Es gab einmal einen jungen Zauberlehrling, der in einer Wüste voller Wildtiere lebte. Er wünschte sich die Kraft des Überflusses, um ein wohlhabender und berühmter Mann zu werden, der Mädchen, das er wollte, haben konnte.

Er kam in die Wüste, um die Kraft in einer Visionssuche zu finden, und verbrachte Nacht und Nacht an einem einsam Fleck, ohne Essen und Wasser, flehte zu den Kräften und Geistern, die hier wohnen, und schrie seinen Wunsch und seine Absicht hinaus.

Das erste Wesen, das sich ihm näherte, war eine Berglöwin. In der ersten Nacht seiner Suche bot sie ihm Kraft und Verschlagenheit an, aber das war nicht das, was er suchte. Er bedankte sich, nahm das Angebot aber nicht an.

Als er in der nächsten Nacht im Inneren eines Kreises saß und zu den Kräften heulte, erschien ein Kojote und bot ihm Furchtlosigkeit und Charisma an. Der junge Kerl dachte darüber nach und geriet durch den trügerischen Charme des Kojoten ein wenig ins Wanken, doch am Ende sagte er nein danke, und der Kojote ging weiter.

In der dritten Nacht tauchte eine Eule auf und sprach zu ihm: „Ich kann dir zu sehen anbieten, denn ich versichere dir, dass du nicht weißt, was das, was du willst, ist. Dir fehlt es an Unterscheidungsvermögen.“ Der junge Schüler blieb jedoch eigensinnig bei seinem Wunsch und nahm das Angebot nicht an.

In der vierten Nacht war der junge Schüler vor Hunger und Durst außer sich, aber er beharrte immer noch stur auf seiner Entscheidung. Als er halb im Delirium in dem Kreis lag, hatte er eine Vision. Vor seinen Augen schimmerte eine Hirschkuh vor ihm. Er wusste sofort, dass das kein normales Lebewesen war. Es bewegte sich mit nie gesehener Grazie und Leuchtkraft.

Doch an dem Wesen war etwas Trügerisches. So als ob seine Kräfte nicht zu besitzen wären. Doch da stand sie, völlig real. Dadurch wollte der junge Schüler die wunderschöne Erscheinung nur um so mehr haben.

Das Tier sprach mit einer wohltönenden femininen Stimme zu ihm: „Ich habe deine Rufe gehört und Mitleid mit dir bekommen“, sagte es zu ihm. „Ich kann dir einen Geschmack von der Kraft geben, die du suchst und die die wertvollste der Schöpfung ist, doch sobald du sie geschmeckt hast, wird ihr nichts mehr gleichkommen und du wirst dazu verurteilt sein, immer und überall nach ihr zu suchen.“

Dem jungen Mann floss das Wasser  im Mund zusammen bei dem Gedanken an die wertvollste Kraft. Bestimmt würde er durch sie der wohlhabendste und mächtigste Mann werden. „Ich bin einverstanden.“, sagte er ohne zu Zögern. Die Hirschkuh nickte, und plötzlich sah der junge Mann, wie sie sich in etwas so Wunderschönes, so Unfassbares verwandelte, dass er es mit Worten nicht mehr auszudrücken vermochte. Er fühlte sich im tiefsten Kern seines Wesens berührt. Er begann zu weinen und bedeckte sein Gesicht vor Scham.

„Warum verbirgst du deine Augen vor dem, was du willst?“ fragte die Hirschkuh ihn. Selbst ihre Stimme war verwandelt. „Ist das nicht, was du willst?“ Also entblösste er sein Gesicht und blickte das Wesen an, dergleichen er noch nie erlebt hatte. Er empfand solch große Liebe. Eine Liebe, die er nicht erklären konnte, eine Liebe fast jenseits der Grenzen des Wunsches nach der Kraft, die er suchte.

Gewiss würde das Geschenk dieses Wesens wunderbar sein. Und dann verschwand sie. Er machte sich auf den Weg und suchte sie bis an sein Lebensende, sogar über den Tod hinaus. Ob er sie jemals wiedergefunden hat, steht bis heute in den Sternen.

Text: Merilyn Tunneshende

Das neue Hörbuch auf Dimension Sieben

Im ersten Teil dieser neuen Serie erzählt dir Manuela Rohr, wie sie von der geistigen Welt auf den Weg der Heilerin gerufen wurde, wie sich ihre Wahrnehmung kontinuierlich erweitert und welche Herausforderungen und neue Erkenntnisse ihr auf diesem Weg immer wieder begegnen.