Geschichten

Es funkelt zu Samhain

Es funkelt zu Samhain

Die Luft war bereits merklich kühler geworden. Längst hatte Vater Sonne La Luna begrüsst und sich weiter auf seinen Weg gemacht.

Es knisterte und knackte. Ein kleiner Funke flog in die Höhe.
„Großvater?“ fragt er nach unten. „Warum bin ich denn nur so ein kleiner Funke? Ich wäre so gerne ein richtig großes Flammenmeer und doch bin ich nur so klein und unscheinbar.“ Er seufzte tief und klang etwas traurig.

„Kleiner Funke, klein sein ist doch nicht unscheinbar. Auch das klein sein ist wundervoll und genauso ein Teil vom großen Ganzen.“ antwortete Großvater Feuer und richtete sein Augenmerk zum kleinen Funken.
„Warum bist du denn mit deinem Sein nicht zufrieden?“ fragte er erstaunt nach oben.

„Na, weil mich fast keiner sieht. Alle gucken immer nur auf die großen, mächtigen und starken Flammen. Doch ich werde immer wieder übersehen. Das macht mich traurig.“ sagte der kleine Funke.

„Ah, jetzt verstehe ich dich. So nimmst du es also wahr.“ Großvater Feuer machte eine kleine Pause und ging in sich.

„Weißt du, alles ist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Wärest du nicht, würden die Flammen gar nicht brennen können. Du bist der Anfang. Du bist die Mitte und oft bist du auch das Ende. Ohne dich wären gar keine Flammen möglich. Ohne dich wäre ich nicht möglich. Ohne dich wären wir alle nicht möglich.

Als Funke bist du notwendig, damit das Feuer überhaupt erst entzündet werden kann. Auch ohne Bruder Wind, der den Sauerstoff liefert, würde das Feuer ebenso wenig brennen. Er vereint das Feuer dabei sogar mit einem kleinen Teil von Großmutter Wasser, denn auch ohne sie wären keine Flammen möglich. Und auch Mutter Erde hilft mit. Sie nährt das Feuer in Form ihres Holzes, welches alle Elemente in sich vereint. So helfen wir alle zusammen.

Auch gibt es die unterschiedlichsten Farben der Flammen, wie du selbst schon so oft sehen konntest. Je nachdem was wir zu transformieren haben, passen wir die Farbe der Flammen an. Mal ist es die blaue Flamme, mal die grüne und mal die rote. Mal sind es ganz andere Farben. Eben alle Farben, die der Regenbogen trägt.

Wir wärmen die Menschen. Wir lodern heiß empor. Wir transformieren innerhalb kürzester Zeit. Mal glühen wir vor uns hin und helfen bei einer nahrhaften Suppe oder einem aromatischen Kaffee mit. Mal erzählen wir Geschichten über unsere Funken, Flammen, Farben oder Formen des Rauches. Mal lassen wir es knallen, um das gesprochene Worte der Menschen zu unterstreichen.

Ein anderes Mal wiederum wandeln wir das geschriebene Wort um und manchmal genießen wir auch das Geschenk von bittersüßer Schokolade oder natürlichem Tabak und erhalten so noch mehr Kraft. Wir tragen so viele Fähigkeiten und Aufgaben in uns. In so vielen Formen. In so vielen Farben. In so vielen Klängen und Temperaturen. Sogar der Duft ist unterschiedlich, abhängig davon welch kostbares Holz uns Mutter Erde schenkt.

Wir sind eine große bunte Familie. Jeder hat seine eigene Aufgabe. Helfen wir zusammen, nimmt jeder seine Aufgabe an und führt sie im Herzen aus, entwickelt sich alles so, wie es sein soll. Heute bist du vielleicht ein Funken. Das nächste Mal bist du vielleicht die größte Flamme von allen. Doch wenn du jetzt mehr auf das siehst, was du jetzt nicht bist und nicht tief in deine eigene Erfahrung hineintauchst, wirst du niemals wissen, welch wichtige Weisheit der kleine Funken tatsächlich in sich trägt.

Jedes Sein ist immer in der richtigen Form, zur richtigen Zeit und am richtigen Platz. Du bist ein Teil von allem. Würdest du fehlen, würde das große Ganze nicht möglich sein. Deshalb rate ich dir, ehre dein Sein und sei dankbar für alles, was du bist. Verbinde dich tief mit dieser Erfahrung, denn sie ist ein Geschenk. Wenn du das erkennst, dann zieht der Frieden ein, nach dem du dich innerlich so sehnst.

Auch ich war einst einmal ein kleiner Funken.“

Text: Manuela Rohr
Bild: Pixabay
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